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Streifgang durch das weihnachtliche Paradies

General Anzeiger vom 24.12. 1993

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Der tägliche Gartenrundgang

Von Hannelore Vietmeier

Eine der wichtigsten Übungen für den Gärtner ist der tägliche Gartenrundgang, der ihm die Augen öffnet für alles, was auf seinem Stückchen Erde vor sich geht. Während der Vegetationszeit, also etwa von März bis September macht es natürlich Spaß, durch den Garten zu gehen und sich an der Vielfalt von Farben und Düften zu erfreuen. Aber die Notwendigkeit für diesen Rundgang, man kann ihn auch ,,Kontrollgang“ nennen, besteht das ganze Jahr über. Zunächst ist es wichtig, täglich zu überprüfen, was einem da so alles blüht und grünt. Aussaaten müssen beobachtet werden, um zu große Nässe oder Trockenheit, Schneckenfraß oder Blattlausbefall früh genug zu erkennen und Abhilfe zu schaffen. Der aufmerksame Gärtner kann durch diese Früherkennung die Schädigungen an den Pflanzen gering halten, da er sofort Maßnahmen zur Behebung ergreifen kann. Aber auch das Wachstum und die Blühwilligkeit müssen immer im Auge behalten werden. Durch diese Beobachtungen kann man Umpflanzungen planen, falls eine Pflanze mit ihrem Standort nicht zufrieden ist und daher schlecht gedeiht. Manche Pflanzen bevorzugen anderen Boden, sie stehen zu zugig oder zu schattig.

Natürlich geht es beim Gartenrundgang nicht nur darum, nachteilige Auffälligkeiten festzustellen. Viele Gehölze und Stauden gedeihen an dem für sie ausgewählten Standort sogar sehr gut. So hat der Gärtner die Bestätigung für den richtigen Umgang mit seinen Schützlingen. Auch Stauden, die an einem Gartenplatz besonders gut gedeihen, sind zu beachten, da sie zeitig genug geteilt werden müssen, um weiterhin genügend Kraft für einen reichhaltigen Blütenflor zu behalten.

Manche Pflanzen zeigen einen Nährstoffmangel durch einen mickrigen Wuchs an, denen kann mit Kompost oder organischem Dünger geholfen werden. Steingartengewächse zeigen durch einen zu mastigen Wuchs und Blühfaulheit einen zu nährstoffreichen Boden an. Sie brauchen einen magereren und oft auch trockeneren Boden.

Durch das ständige Nachschauen und Experimentieren macht der Gärtner eigene Erfahrungen, die neben dem angelegenen Wissen von großer Bedeutung sind. Diese Erfahrungen sollten unbedingt in einem Gartentagebuch niedergeschrieben werden. So erhält man ein Nachschlagewerk, wie man keines kaufen kann. Das recht mühsame Sammeln eigener gärtnerischer Erfahrungen wird schließlich zum Erfolg, im Umgang mit den Pflanzen, gekrönt - es blüht und grünt in allen Ecken.

Im Spätherbst ist der tägliche Gartenrundgang auf andere Merkmale gerichtet. Die fruchttragenden Bäume und Sträucher bieten jetzt vielen Säugetieren und Vögeln eine willkommene Nahrung. Man kann jetzt beobachten, welche Früchte schnell "vergriffen" sind, wie zum Beispiel Schlehen, Weißdorn, Waldschneeball und Feuerdorn. Andere Früchte wiederum bleiben bis über den ersten Frost hinaus an den Sträuchern hängen, ohne dass sich auch nur ein Tier dafür interessiert. Das liegt zum Einen daran, dass diese Früchte erst s richtig schmecken, wenn sie einmal Frost mitbekommen haben, etwa die Mispel, der Cotoneaster, der Holzapfel und die Holzbirne. Zum anderen liegt es an der allgemeinen Ungenießbarkeit der Früchte, zum Beispiel von Skimmia japonica. Diese Früchte haften den ganzen Winter über an den Zweigen und sind so leuchtende Farbtupfer in der sonst so tristen Jahreszeit.

Der tägliche Gartenrundgang im Winter dient schließlich der Überprüfung des Bedeckungsmaterials. Amseln, aber auch einige andere Vogelarten suchen all zu gerne im Laub nach Kleingetier. Sehr geschickt fassen sie dabei die Blätter mit dem Schnabel und befördern sie, oft im hohen Bogen an eine andere Stelle. So kommt es vor, dass gut abgedeckte Stauden plötzlich "nackt" dastehen, und dafür die reichhaltig blühende Winterheide eine braune Laubdecke hat. Dies muss also fast täglich wieder ausgebessert werden. In einem milden Winter hat mir einmal ein Kaninchen beim Bau einer neuen Höhle eine Handvoll Blumenzwiebeln ausgegraben. Diese Blumenzwiebeln wären gewiss dem nächsten strengen Frost zum Opfer gefallen, hätte ich sie nicht bei meinem täglichen Rundgang entdeckt und an anderer Stelle wieder sorgsam eingegraben. Kaninchen graben auch immer wieder gerne die Wurzeln verschiedener Stauden frei, um sich daran gütlich zu tun. Auch hier muss wieder Erde aufgefüllt und schützendes Bedeckungsmaterial aufgebracht werden.

Im Winter, wenn die Blätter alle von den Bäumen abgefallen sind, wird der Blick frei auf Stamm, Äste und Zweige. Jetzt können die Gehölze genau auf Schäden am Stamm, auf Wildverbiss und Sturmschäden überprüft werden. Auch ein Pilzbefall kann jetzt besser entdeckt und durch Herausschneiden behoben werden. Die entstandene Wunde muss fein säuberlich mit Baumwachs verschmiert werden. Auch Vogelnester, die das Jahr über durch dichtes Blattwerk im Verborgenen lagen, sind jetzt gut auszumachen und der Gärtner erfährt, welche gefiederten Gäste sein Garten beherbergt. Der tägliche Gartenrundgang ist also sehr sinnvoll und manchmal entdeckt man auch eine neue Pflanze, die sich ohne eigenes Zutun angesiedelt hat, oder man kann Vögel beim Baden oder bei der Fütterung der Jungen beobachten. Der Erfolg des Gärtnerns hängt also nicht zuletzt vom täglichen Gartenrundgang ab.

                                       Aus: Der Staudengarten 2/2004 (Gesellschaftschaft der Staudenfreunde e.V.)


Sumpf, Urwald und sogar ein "Bohnen-Tipi"

Von Annika Fasse

Die Rhaudermoorerin Hannelore Vietmeier hat ein Gartenparadies erschaffen. Für Gäste hat sie es regelmäßig geöffnet.
Rhaudermoor - Am Moorweg 32 in Rhaudermoor liegt ein kleines Paradies. Der Schaugarten von Hannelore Vietmeier erstreckt sich über mehr als 4000 Quadratmeter. Das Besondere: Gartenfreunde dürfen Vietmeiers Areal besuchen und dort auf Entdeckungsreise gehen.

Vor 24 Jahren begann die 65-jährige mit dem Anlegen. Der Garten ist in verschiedene Themenbereiche eingeteilt. Es gibt zum Beispiel eine alpine Ebene, eine Blumenwiese, zwei Sumpfgebiete sowie einen kleinen Urwald. Eines der neuesten "Pflanzen-Arrangements" ist ein Bohnen-Tipi. An einem zeltförmigen Holzgerüst ranken Zuckerschoten, die später aus dem Inneren des Tipis geerntet werden.

In Vietmeiers Garten steht sogar ein Lebkuchenbaum.

Besonderes Augenmerk hat Hannelore Vietmeier auch auf "die Pflanzen ihrer Kindheit" gelegt: Margeriten, Bartnelken und Veilchen. Außergewöhnliche Stücke sind der Lebkuchenbaum, dessen Blüten nach besagtem Gebäck riechen, ein mehr als mannshoher Rosenstrauch oder ein echter Tulpenbaum. Was die meisten Gartenbesitzer fälschlicherweise als Tulpenbaum bezeichnen, sei eigentlich eine Magnolie, erklärt Vietmeier. Ihren Garten hingegen ziert ein botanisch echter Tulpenbaum.

Der Garten beherbergt neben den Pflanzen auch zahlreiche Tiere. Neben Hummeln und Bienen finden 15 verschiedene Singvogelarten Nistplätze. Kröten und Frösche haben hier eine Heimat. Der Teich ist voller Kaulquappen. Um sich im Sommer an Schmetterlingen zu erfreuen, hat Hannelore Vietmeier ein Brennnesselbeet angelegt. Dieses dient Raupen als Nahrung und Unterschlupf.

Der Garten ist samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr sowie auf Anfrage geöffnet. Hannelore Vietmeier bietet auch Führungen an. Weitere Informationen unter Telefon 04952/1596.

                                                                     Aus General-Anzeiger vom 6.7.10

Dort, wo die Rose auch nach Apfel duftet

Von Günter Radtke

Hannelore Vietmeier betreibt am Rhauderfehner Moorweg seit 17 Jahren einen Schaugarten. Anfangs hatte sie ein schlechtes Gewissen, weil sie die Anlage öffentlich zugänglich gemacht hatte. Heute lacht sie darüber.

Rhauderfehn - Jeden Morgen schaut Hannelore Vietmeier in ihrem Häuschen am Rhauderfehner Moorweg nach dem Aufwachen voller Vorfreude aus dem Fenster. Wenige Minuten später dreht sie ihre erste Runde in ihrem riesigen Garten, plaudert im Vorbeigehen mit der einen oder anderen Pflanze, lobt prächtiges Gedeihen, tadelt mindere Wachstumsbereitschaft. Und jeden Morgen ist sie von der unbändigen Energie der Natur aufs Neue fasziniert. „Kraft und Ausdauer der Pflanzen gehen auf mich über, weil ich ständig mit ihnen in Kontakt bin“, ist die 69-jährige Hobbygärtnerin überzeugt. Jeder, der ein Stück Garten habe, sei verpflichtet, darin für eine Pflanzenvielfalt zu sorgen, die wiederum eine Tiervielfalt nach sich ziehe und die Natur ins Gleichgewicht bringe, meint sie. Seit 26 Jahren lebt sie nach dieser Maxime. Und seit 17 Jahren präsentiert sie der Öffentlichkeit den wohl schönsten und artenreichsten Schaugarten in der Region.

Wenn Hannelore Vietmeier heute das dezent knarrende hölzerne Gartentor für Besucher öffnet, dann hat sie ihren Pflanzen gegenüber kein schlechtes Gewissen mehr. Mitte der 90er Jahre, als sie ihren 4000 Quadratmeter großen Garten für die Öffentlichkeit zugänglich machte, war das noch ganz anders gewesen. „Nachdem die ersten Besucher gegangen waren, stand ich vor meinen Pflanzen wie eine Verräterin. Schließlich hatte ich ihre Privatsphäre preisgegeben“, erinnert sich Hannelore Vietmeier. In der Nachbetrachtung räumt sie ein, dass sie damals in Wirklichkeit befürchtet hätte, die Besucher könnten in ihrem Schaugarten auch einen Blick auf die Vietmeiersche Seele erhaschen . . .

Heute erheitert sie dieser Gedanke. Heute weiß sie, dass es richtig war, den Garten am Moorweg für Besucher zu öffnen und bezeichnet es als „höchste Zeit des Jahres“, wenn die Besucher zu ihr kommen. „Weil ich den Garten für mich schön haben will, finden andere ihn auch schön“, beschreibt sie und fügt hinzu: „Aus der Kommunikation mit Gleichgesinnten nimmt ja jeder etwas mit – ich und jeder Gartenbesucher.“ Jedes Jahr kommen Hunderte an den Moorweg, um sich von Hannelore Vietmeier durch die Gartenanlage führen und sich von ihr die mehr als 400 Gehölze und unzähligen Blumen voller Bewunderung erklären zu lassen. Hannelore Vietmeiers Favoriten in ihrem Garten sind die Wiesenmargerite, der Klatschmohn und die Kletterrose „Bobby James“, die nach Apfel duftet.


                                                                              Aus General-Anzeiger vom 7.8.12


4.000 qm können besichtigt werden

Video des General-Anzeiger über den Schaugarten


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Schaugarten in Rhauderfehn

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